Marketingsprüche hinterfragt – Teil I

 „Sei jemand, der anderen das Gefühl gibt jemand zu sein“

Dieser Spruch könnte von mir sein. Lange Zeit hätte ich ihn auch ganz einfach so stehen lassen. Aber irgendwie juckt es mich nun doch – ihn ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen.

1) Aus Vertriebssicht ist dies der Paradespruch für den pAstmodernen Verkäufer. Lernt man quasi in Workshop Nummer 1, Kapitel Nummer 1. Und ja, pAstmodern – vergangen, denn postmodern passt nicht! Wir geben jemanden also das Gefühl der Bedeutsamkeit, komplett egal ob wir diesen jemand mögen, wirklich dieses Gefühl in uns tragen oder ob unser Angebot für die Person Sinn macht. Wir geben das Gefühl einfach her, in der Hoffnung nicht durchschaut zu werden. Und was im B2B vielleicht schon etwas überholt ist, funktioniert im B2C noch immer blendend. Einfach Lächeln und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird man sein Angebot / sein Produkt an den Mann bringen. Juhuu, alle sind glücklich, zumindest für den Moment! Das große Erwachen kommt meist erst dann, wenn man feststellt, dass man das erworbene Teil weder gut findet, noch braucht oder mag. Bei einer gut eingelullten Gesellschaft kann dieses Erwachen aber schon mal ein paar Jahrzehnte dauern.

2) Aus Sicht einer gesellschaftlichen Bewegung ist der Spruch erst einmal schön. Als Bühnenredner weiß ich selbst wie wichtig es ist, Empathie herzustellen. Gib Dich als Einer von „Ihnen“ aus und schon ist der Applaus auf Deiner Seite. Erstmal nichts Schlechtes. Nur dass viele Redner ihrem Publikum das Gefühl geben, jemand zu sein, und gleichzeitig eine andere Gruppe damit ausschließen. Eine andere Gruppe diffamieren und darstellen, als seien diese halt Nichts. Passiert mir bei hitzigen Diskussionen selbst auch immer mal wieder und ist halt meist die einfachere Lösung. Allerdings kann das ja nicht der Weisheit letzter Schluss sein?!

Was also wäre eine Lösung? Mir gefällt:

„Sei einfach Du und gib anderen das Gefühl, auch sie sein zu können“

Gerade auf der Bühne kämpfe ich immer wieder mit meinem Verstand. Sobald sich dieser einschaltet ist Alles vorbei. Sobald ich versuche jemand zu sein oder etwas gewollt zu transportieren, geht´s in die Hosen. Ich bin ein schlechter Schauspieler. Ich kann nur Rollen spielen die ich aus dem Leben kenne. Und ich kann nur Dinge präsentieren, wo ich auch dahinterstehe. Immer wenn ich einfach nur „Ich“ sein kann, fühle ich mich gut!

Vielleicht erreicht man damit nicht alle im Publikum, aber am Ende des Auftritts fühlt man sich wohl, ist im Reinen mit sich selbst und hat meist auch positive Rückmeldungen. Oder aber das Publikum ist richtig sauer – auch schon mal passiert. Aber dann wurde wohl ein Nerv getroffen, den es zu treffen galt 🙂

Saludos vom Bühnenfreak,

Stefan, el Pirado


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