Forza & Forda - die treibenden Kräfte im Storytelling

Forza & Forda – die treibenden Kräfte im Storytelling

Im Storytelling wird viel und breit über den Plot diskutiert. Also dem grundlegenden Muster, welches jeder Geschichte innewohnt. DrehbuchautorInnen streiten dann gerne, ob es nun fünf, zehn oder gar hundert verschiedene Plotmuster gibt. Im Business Storytelling ist man da schon pragmatischer und beschränkt sich meist auf 5 bis 12 Plotstrukturen. "Die Suche", "die Wiedergeburt" oder "vom Tellerwäscher zum Millionär" sind Beispiele für solche Grundmuster eines Story-Plots. Dieser Artikel möchte aber noch weiter abspecken – hin zu den ZWEI treibenden Kräften im Storytelling.

Während man im alten Griechenland noch zwischen Tragödie und Komödie unterschieden hat, unterteilen moderne Autoren wie Ronald B. Tobias die Grundmuster in Forza und Forda, also physische und geistige Plots.

In einem physischen Plot dominiert die äußere Handlung das Geschehen. Die Gedanken der Figuren sind auf das Notwendigste reduziert und entwickeln sich im Laufe der Geschichte auch kaum weiter. Der physische Plot ist in der Regel für Massenpublikum bestimmt. Abenteuer – und Actionfilme, aber auch viele Thriller und Romanzen sind bekannte Beispiele für Plots vom Typus Forza.

Ein geistiger Plot hingegen stellt nun eher eine innere Reise dar. Das Seelenleben der einzelnen Figuren wird hier in den Mittelpunkt gestellt. Die beteiligten Charaktere durchleben eine Transformation und verändern sich während der Geschichte. Die hohe Literatur ist das beste Beispiel für Plots vom Typus Forda.

Tja – und was hilft mir diese Info jetzt für Präsentationen & Co?

Diese Frage habe ich mir natürlich auch gestellt! Und ich durfte wieder einmal sehen, dass es selbst für mich noch einiges zu Lernen gibt beim Thema Storytelling. Denn bei der Analyse meiner Vortragsgeschichten bin ich zu einem unerwarteten Ergebnis gekommen! JEDE meiner Storys zum Thema Umweltschutz oder Nachhaltigkeit ist physischer Natur! JEDE, verdammt !!! Eigentlich war ich fest davon überzeugt, dass meine Umwelt-Storys viel geistige Transformation in sich tragen. Tun sie aber nur bedingt. Meine Business Geschichten hingegen haben viel mehr geistige Prägung – aber wieso?

Im Bereich Nachhaltigkeit und Umweltschutz stelle ich hauptsächlich Dinge dar. Ich zeige Probleme auf oder gebe Lösungsvorschläge. Ökosysteme erkläre ich zum Beispiel so, indem ich einzelne Pflanzen und Tiere mit Ihren Wechselwirkungen darstelle – und zwar verpackt in eine Geschichte. Dabei gibt es aber selten eine Figur, die eine Transformation durchläuft und mit der sich das Publikum direkt und emotional verbinden könnte. Im Business hingegen spreche ich hauptsächlich von eigenen Erfahrungen oder denen meiner KundInnen. Selbst bei technischen Abläufen erzähle ich zum Beispiel vom fiktiven Monteur "Hans", der sich nun freut, dass die Maschine jetzt einfacher zu bedienen ist als zuvor. Hier ist fast immer ein Mensch als Figur dabei. Dieser Mensch erlebt eine Transformation und somit wird die Geschichte tiefer und greifbarer für das Publikum.

Nun ist eine Geschichte mit einer menschlichen Transformation nicht zwingend ein geistiger Plot und das muss auch nicht sein! Dennoch kann man sagen, dass die besten und prägendsten Geschichten sowohl eine geistige, als auch eine physische Komponente beinhalten. Und seitdem mir das klar geworden ist, achte ich viel stärker darauf, meine Umweltgeschichten mit Charakteren zu versehen. Denn auch wenn ich bei diesem Thema ohnehin viel geistige Informationen liefere, eine  transformative Geschichte – den Geist betreffend – ist viel wirksamer als einfach nur Fakten, verpackt in eine Geschichte. Storytelling ist eben doch komplizierter als man sich manchmal denkt.

Gut so – mehr Arbeit für mich 🙂

 

Saludos,

Stefan, el Pirado