Wie man einer Erzählung Tiefe verleiht

Wie man einer Erzählung Tiefe verleiht

„Let´s go deeper!“ Immer wenn unser britischer Coach Arjuna diese Worte in den Mund nahm, wussten wir: "Jetzt ist Schluss mit Kuscheln!" Und innerhalb von kürzester Zeit war der Raum mit seinen fünfzig Menschen wie verwandelt. Eine Horde grinsender Gesichter wich plötzlich dem Blick von Forschenden, die eintauchten in die eigene Tiefe. Und zwar jene Tiefe, in der echte Transformation stattfinden kann. Mir war das fast schon unheimlich, wie schnell und präzise sich die menschliche Psyche offenbar kollektiv bewegen lässt. Doch da unser Coach das Herz am richtigen Fleck hatte, geschah sehr viel Positives.

Nun ist eine Präsentation kein wochenlanger Retreat. Dennoch halte ich es für sinnvoll, auch solch einem Auftritt eine gewisse Tiefe zu verleihen. Nur wie geht das eigentlich? Gleich vorneweg: Tiefenstruktur zu entwickeln ist quasi die Königsdisziplin im Vortragswesen. Und nur weil man ein paar Tricks anwendet, bedeutet das noch lange nicht, sein Publikum wirklich auf eine tiefere Ebene führen zu können. Dennoch zeige ich hier drei kurze Weisheiten, die unterstützend wirken können:

  • Sei persönlich

Egal ob Elektroautos, Plastikverbote, Heilkräuter oder Sechskantschrauben – jedes Thema braucht eine persönliche Note um in Erinnerung zu bleiben. Wir wollen nicht nur das Thema oder Produkt kennenlernen, sondern auch die Person, die es vorstellt. Warum ist diese von den eigenen Ideen überzeugt? Wofür genau brennt sie? Warum setzt sie sich dafür ein? Warum … . Dieses "Warum" oder "Anliegen" gilt es im Vortrag zu erklären, um die Oberfläche zu verlassen und somit tiefer eintauchen zu können.

  • Zeige die Grautöne

Mittlerweile weiß fast jeder, welche Kraft Storytelling haben kann. Haben KANN … . Denn viele Storys werden nur deshalb erzählt, damit man halt etwas Persönliches erzählt. Gute Storys hingegen sind wohl überlegt und – ganz wichtig – erforschen das Thema auch in seinen Grautönen. Anstatt drei Geschichten zu je einer Minute zu erzählen, bleibt man lieber bei nur Einer. Und die darf dafür richtig gut sein.

Die meisten Geschichten erzählen vom Konflikt zwischen einer guten ProtagonistIn und einer bösen AntagonistIn. Gut gewinnt, Böse verliert und Alles ist toll. In vielen Fällen reicht dies auch. Wer aber Tiefe erzeugen will, muss einen Schritt weiter gehen. Tiefenspannung entsteht immer dann, wenn es kein eindeutiges Gut oder Böse gibt. In solch einer Geschichte erzählt man von beiden Seiten mit ihren entsprechenden Eigenschaften und Absichten. Welche Schwächen hat unsere ProtagonistIn, was kann sie von der antagonistischen Kraft lernen oder was spiegelt ihr diese? Warum ist die AntagonistIn eigentlich so geworden wie sie ist? Etc. Gutes Storytelling führt nicht nur Figuren ein, sondern beschreibt auch deren Charakter und die Beweggründe ihres Handelns. Erst wenn es kein eindeutiges Gut oder Böse mehr gibt, oder die Beweggründe des vermeintlich Bösen verstanden sind, ist der Platz für echte Tiefe frei.

  • Sei still

Haben Sie schon mal einen Speaker persönlich kennengelernt? Ich hoffe nicht, denn das wünsche ich Niemanden 😊. Nein ehrlich, es gibt ganz wunderbare und ausgeglichene Redner, die wirklich was zu sagen haben. Doch es gibt auch sehr viele, die einfach nur deshalb Redner geworden sind, weil sie ständig reden. Sie reden auf der Bühne, hinter der Bühne, am Weg zur Bühne, im Auto davor, im Hotel und vermutlich sogar im Schlaf. Und diese Leute können sicherlich gut reden. Aber sagen sie auch etwas aus?

Wer nicht nur reden - sondern auch etwas sagen möchte, der ist gut beraten auch mal still zu sein. Einerseits, um die eigenen Gedanken zu reflektieren anstatt sie ständig erneut wiederzukäuen. Andererseits, weil kurze Phasen der Stille auch auf der Bühne gut wirken. Will man seinem Publikum eine tiefere Message mitgeben, dann muss es auch Zeit geben, diese aufzunehmen. Aus diesem Grund sind rhetorische Pausen und kurze Zeiten der Stille unumgänglich, wenn man einen Raum der Tiefe erzeugen möchte.

Einfach mal ausprobieren, es lohnt sich!

So, das waren meine drei Tipps zum Thema Tiefe. Und um hier wieder den Bogen zum Anfang zu spannen: Neben den vorgestellten Methoden braucht eine tiefgehende Erzählung natürlich auch eine entsprechende Präsenz und ein gutes Körpergefühl bei der erzählenden Person. Und diese Dinge erlangt man zum Beispiel in wochenlangen Retreats mit ausgeflippten Coaches aus Großbritannien. In diesem Sinne sag ich:

 

Let´s go deeper. Denn oberflächliche Vorträge gibt es wie Sand am Meer!

 

Saludos,

Stefan, el Pirado

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